Gattung in ColKat anzeigen Gattung: Sericoderus Stephens, 1829 Coleoptera - Corylophidae
  Von Arved Lompe (n. S. Bowestead)
Informieren Sie mich bitte über Fehler oder Ergänzungen über mailbox@lompe.de
 Literaturverzeichnis =>
  Körper kurz eiförmig, vorne hoch gewölbt, dicht und fein behaart. Der große, quere, halbrunde Halsschild mit nach hinten lang und spitz ausgezogenen, die Flügeldecken an den Schultern umfassenden Hinterwinkeln; Schildchen 3-eckig, Flügeldecken kurz, nach hinten gerade verengt, am Ende abgestumpft. Fühler 10- oder 11-gliedrig. Die einander sehr ähnlichen, kleinen Arten sind über alle Weltteile verbreitet; in Europa kommen inzwischen 3 Arten vor. Die Zahl der Fühlerglieder läßt sich zuverlässig nur im nassen Zustand (Wasser, Glyzerin) oder eingebetteten Präparat feststellen, bei trockenen Präparaten ist die Fehlerquote durch Reflexionen sehr hoch.  
#1 Schildchen gerundet dreieckig [Abb.1]. Nahtzwischenraum breit, mit 2-3 Punktreihen.

   ...2


SERICODERUS LATERALIS
Abb.1
 
-- Schildchen kurz, quer [Abb.2]. Fühler 11-gliedrig. Nahtzwischenraum schmal, mit nur 1 Punktreihe. Etwas kleiner: 0,8-0,92 mm.
♂: Penis mit deutlich abgesetzter Spitze [Abb.3].
♀: Spermatheka [Abb.4].
B: Unter faulenden Pflanzenresten an feuchten und trockenen Wärmestellen.
D: Südeuropa, Nordafrika bis Südasien.

  Verbreitung in Deutschland  Taxon in ColKat anzeigen  Taxon in Wikipedia anzeigen3   ...pecirkanus Reitter, 1908


SERICODERUS PECIRKANUS
Abb.2
SERICODERUS PECIRKANUS
Abb.3
SERICODERUS PECIRKANUS
Abb.4
 
#2 Fühler 10-gliedrig [Abb.5] [Abb.6]; in Wasser oder Glyzerin untersuchen! Durchschnittlich etwas größer: 0,9-1,1 mm. Bräunlichgelb oder rötlichbraun, der Halsschild vorne mit dunklem, durchscheinendem Fleck (wegen des schwarzen darunter befindlichen Kopfes), seine Hinterecken umgreifen die Schultern. Flügeldecken etwas gesättigter bräunlich-rotgelb, gegen die Basis mehr weniger breit geschwärzt, oder braunschwarz, und nur die Spitze in weiterem Umfange hell gefärbt, Fühler und Beine gelb [Abb.7].
♂: Hinterbrust ohne Auszeichnung [Abb.8]. Aedoeagus [Abb.9].
♀: Spermatheka [Abb.10] [Abb.11], der (längere) Drüsenlappen am Ende nicht abgeschnürt, die Spitze des kurzen Fortsatzes nicht oder gerade erreichend.
B: Unter faulenden Pflanzenstoffen.
D: Kosmopolit, aber nicht in Australien. In Mitteleuropa überall verbreitet, nach Norden seltener; die ♂ sind äußerst selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen  Verbreitung in Deutschland  Taxon in ColKat anzeigen  Taxon in Wikipedia anzeigen3   ...lateralis (Gyll., 1827)


Anmerkung: S. lateralis galt bisher als pathenogenetisch (Bowestead l.c.), zumindest waren zuvor noch keine ♂ bekannt geworden (siehe aber Anmerkung bei Telfer l.c.)
Auf La Gomera (von dort ist nur S. lateralis gemeldet) habe ich 1 noch etwas immatures ♂ gefunden das ebenfalls 10-gliedrige Fühler [Abb.6] besitzt. Die Spermatheka bei den gleichzeitig gefangenen ♀ ist von der des lateralis nicht zu unterscheiden [Abb.12] [Abb.13].
SERICODERUS LATERALIS
Abb.5
SERICODERUS LATERALIS
Abb.6
SERICODERUS LATERALIS
Abb.7
SERICODERUS LATERALIS
Abb.8
 
SERICODERUS LATERALIS
Abb.9
SERICODERUS LATERALIS
Abb.10
SERICODERUS LATERALIS
Abb.11
 
SERICODERUS LATERALIS
Abb.12
SERICODERUS LATERALIS
Abb.13
 
-- Fühler 11-gliedrig [Abb.14].

   ...3


SERICODERUS BREVICORNIS
Abb.14
 
#3 Durchschnittlich etwas kleiner als lateralis: 0,85-1,07 mm. Färbung wie bei lateralis und dadurch nicht von diesem zu unterscheiden [Abb.15].
♂: Hinterbrust mit einer bürstenartig behaarten Längsschwiele vor dem Hinterrand [Abb.16] [Abb.17]. Penis an der Spitze nur etwas gebuckelt [Abb.18] [Abb.19].
♀: Spermatheka [Abb.20], der große Fortsatz etwas länger als bei lateralis, die Spitze des kurzen Fortsatzes erreichend oder überragend [Abb.21] [Abb.22].
D: Ursprüngliche Heimat ist Australien, um 1995 in Neuseeland an Kiwi-Früchten als Lästling aufgetreten und bekannt geworden. Inzwischen wohl weit verbreitet: Nordamerika: Kalifornien; Europa: Großbritannien (anfang dieses Jahrhunderts endeckt und inzwischen dort weit verbreitet und stellenweise häufiger als lateralis), Deutschland: eine bestätigte Meldung ausThüringen; Lettland, Finnland, Russland.

Meldungen in Google Earth anzeigen  Verbreitung in Deutschland  Taxon in ColKat anzeigen  Taxon in Wikipedia anzeigen3   ...brevicornis Matthews, 1890


Aus Thüringen meldet Andreas Weigel einen Fund: nach einem Photo des Genitals sicher brevicornis.
In Lettland hat Christoffer Fägerström ♂ einer Sericoderus-Art gefunden, deren Genital [Abb.23] nicht so recht mit der Zeichnung von Bowestead [Abb.18] übereinstimmt. Über die Zahl der Fühlerglieder und die Bildung der Hinterbrust ist mir nichts bekannt, der Vergleich mit brevicornis ♂ aus England zeigt eindeutig, daß es diese Art ist.
Aus dem östlichen Finnland meldete mir Tom Clayhills ebenfalls einen Fund der nach seiner Beschreibung zweifellos zu brevicornis gehört.
Anmerkung: Nach Bowestead sollen die ♀ von brevicornis 10-gliedrige Fühler haben. In einer Aufsammlung aus England, die ich von Mark Telfer erhalten habe (England, Luton Umg., leg. Telfer IV.2018 an trockenen Fruchtkörpern von Piptoporus betulinus), haben aber alle Tiere (6 ♂, 14 ♀) 11-gliedrige Fühler.
SERICODERUS BREVICORNIS
Abb.15
SERICODERUS BREVICORNIS
Abb.16
SERICODERUS BREVICORNIS
Abb.17
SERICODERUS BREVICORNIS
Abb.18
 
SERICODERUS BREVICORNIS1
Abb.19
SERICODERUS BREVICORNIS
Abb.20
SERICODERUS BREVICORNIS
Abb.21
 
SERICODERUS BREVICORNIS
Abb.22
SERICODERUS BREVICORNIS2
Abb.23
 
-- Wie bei der Vergleichsart Schildchen gerundet dreieckig [Abb.24], Nahtzwischenraum breit, mit 2-3 Punktreihen und Fühler 11-gliedrig [Abb.25].
♂: Aedoeagus [Abb.26] [Abb.27], äußerlich ähnlich dem des lateralis mit in Seitenansicht gerade, gestreckter Penisspitze; die Innenstrukturen sind aber verschieden und sehr charakteristisch [Abb.28]. Äußerlich nicht von den anderen Arten verschieden. Ein Exemplar von Meybohm habe ich gesehen; diese Tiere waren bislang als brevicornis gemeldet, sind aber mit Sicherheit nicht diese Art.
D: Im Hamburger Hafengebiet: Hohe Schaar, 11.7.1994 H. Meybohm leg. im Autokescher; weitere ebenda leg W. Ziegler 24.8.1994, ebenfalls im Autokescher. Im Hafen werden in großen Mengen Futtermittel und Getreide aus aller Welt umgeschlagen; die Tiere sind ursprüglich mit Sicherheit eingeschleppt worden, die mehrfachen Fänge mit dem Autokescher sprechen zumindest für eine zeitweilige Ansiedlung.

Meldungen in Google Earth anzeigen       ...sp_hh


Anmerkung: Nach ITIS sind derzeit 11 Arten dieser Gattung bekannt; die 5 nordamerikanischen Arten sollen alle 10-gliedrige Fühler haben, 4 Arten sind von Hawaii gemeldet. Die Bestimmung oder Beschreibung der Art wird in Kürze erfolgen [Abb.29].


SERICODERUS SP
Abb.24
SERICODERUS SP
Abb.25
SERICODERUS SP
Abb.26
SERICODERUS SP
Abb.27
 
SERICODERUS SP
Abb.28
 BAUSTELL
Abb.29
 
  brevicornis
lateralis
pecirkanus
sp_hh
Bowestead, S. (1999): A revision of the Corylophidae (Coleoptera) of the West Palaearctic Region. - Instrumenta Biodiversitatis, 3:1-203 Private Datei
Bowestead, S. (2002): Sericoderus brevicornis Matthews (Coleoptera: Corylophidae) redescribed and new to New Zealand. New Zealand Entomologist (2002), 25: 65-67. Private Datei
Slipinski, A., Tomaszewska, W. & John F. Lawrence, J.F. (2009): Phylogeny and classification of Corylophidae (Coleoptera: Cucujoidea) with descriptions of new genera and larvae - Systematic Entomology, 34(3):409-433
Telfer, M. (2012): A key to British Sericoderus (Corylophidae).  studylib.net oder Private Datei
Sashznev, A.S. (2025): First Record of Sericoderus brevicornis Matthews, 1890 (Coleoptera: Corylophidae) from Russia - Field Biologist Journal 7(1):108-112  www.researchgate.net oder Private Datei
     Creative Commons Lizenzvertrag  Erstellt am: 05.08.2009
Letzte Aktualisierung: 10.05.2026 - 17:21:02
Mit Determin (V4.2.460-5) von: Arved Lompe
Vorherige Version