Gattung Mycetophagus Hellw. Coleoptera - Mycetophagidae
  Von Arved Lompe (n. H.Vogt) Bitte Fehler und Ergänzungen an mailbox@lompe.de senden
  Flügeldecken gestreckt, beide Seitenränder von oben sichtbar, mit deutlichen Punktreihen. Oberseite dicht behaart, Halsschild mit 2 deutlichen Basalgrübchen. In Baumpilzen oder in verpilztem Holz. 12 Arten in Europa.  
#1 Oberseite äußerst fein und dicht gleichmäßig punktiert, sehr fein und dicht anliegend seidenartig behaart, matt. Endglied der Kiefertaster viel dicker als das vorletzte, an der Spitze abgestutzt. Fühler mit breit abgesetzter, 4-gliedriger Keule [Abb.1]. Untergattung: Philomyces Gglb.
Gelbbraun bis rostrot, der Kopf etwas dunkler als die Flügeldecken, diese in der größeren hinteren Hälfte angedunkelt, darin vor der Spitze mit gezacktem hellerem Fleck auf jeder Flügeldecke. Halsschild so breit wie die Flügeldecken kurz hinter den Schultern, hinter der Mitte am breitesten [Abb.2]. 4-4,5 mm. In verpilztem Holz oder Baumschwämmen von Laubbäumen im ganzen Gebiet, selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...populi F., 1798

MYCETOPHAGUS POPULI
Abb.1
MYCETOPHAGUS POPULI
Abb.2
-- Oberseite dicht und deutlich punktiert, etwas glänzend. Endglied der Kiefertaster kaum breiter als das vorletzte. Fühler verschieden gebildet.

   ...2

 
#2 Halsschild kurz vor der Basis am breitesten, von da nach vorn ± stark gerundet verengt, so breit wie die Flügeldecken kurz hinter der Schulter. Halsschildseitenrand nicht deutlich gekerbt. Fühler zur Spitze allmählich verdickt, oder mit 4-gliedriger Keule.

   ...3

 
-- Halsschild in der Mitte am breitesten, nach vorn und hinten verengt, deutlich schmäler als die Flügeldecken kurz hinter den Schultern. 1. Glied der Hintertarsen so lang wie das letzte.

   ...8

 
#3 Fühler mit 5 etwas vergrößerten Endgliedern. Das 1. Glied der Hintertarsen ist viel länger als das letzte.

   ...4

 
-- Fühler mit 4-gliedriger Keule [Abb.3]. 1. Glied der Hintertarsen kaum länger als das letzte. Untergattung: Parilendus Casey.
Rotbraun bis dunkelbraun, relativ hoch gewölbt. Fühler und Beine gelbbraun, Flügeldecken mit einer gelben Schultermakel und einem gelben Fleck hinter der Mitte [Abb.4]. Oberseite dicht gelblich, rauh behaart, auf den Flügeldecken mit Reihen etwas längerer Härchen. Die Zwischenräume der feinen Punktstreifen mit dichter reibeisenartiger bis Körnchen-Struktur. Endglied der Fühler kaum länger als das vorletzte. Aedoeagus [Abb.5]. 3,5-4 mm. In Baumschwämmen und verpilztem Mulm, auch synanthrop in Heu und Stroh, an Lebensmitteln. Im ganzen Gebiet, aber meist selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...quadriguttatus Müll., 1821

MYCETOPHAGUS QUADRIGUTTATUS
Abb.3
MYCETOPHAGUS QUADRIGUTTATUS
Abb.4
MYCETOPHAGUS QUADRIGUTTATUS.JPG
Abb.5
 
#4 Jede Flügeldecken mit 1-2 großen roten Flecken oder einfarbig braunschwarz. Käfer mindestens 5 mm lang. Halsschild von der Basis nach vorn stärker verengt, oben fast gleichartig, wenig dicht punktiert, glänzend. Flügeldecken zwischen den Punktreihen fein und zerstreut punktiert, glänzend. Untergattung: Mycetophagus s.str.

   ...5

 
-- Flügeldecken mit gezackten hellen Querbinden und (oder) mehr als 2 hellen Flecken pro Flügeldecke. Länge unter 5 mm. Halsschild nach vorn schwächer verengt, sehr dicht mit groben und feinen Punkten besetzt oder runzelig bzw. gekörnt erscheinend, daher viel weniger glänzend; auch die Flügeldecken zwischen den Punktreihen äußerst dicht punktuliert, weniger glänzend. Untergattung: Ulolendus Rtt.

   ...6


In diese Untergattung gehört noch eine weitere, mir nicht bekannte Art von der Krim.

   ...tauricus Pliguinsky, 1923

 
#5 6.-10. Fühlerglied angedunkelt, Endglied heller. Flügeldecken mit 11 feineren, nicht streifig vertieften Punktreihen, an der Schulter und hinter der Mitte mit je einer großen gelbroten Makel [Abb.6]. Jede davon oder sehr selten beide können fehlen. Auch eine Vergrößerung der Flecken bis zu ihrem Zusammenfließen ist möglich. Kopf heller als der Halsschild, letzterer selten rostrot, gewöhnlich fast schwarz. 5-6 mm. In Baumschwämmen, unter verpilzter Rinde, überall häufig.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...quadripustulatus (L., 1761)

MYCETOPHAGUS QUADRIPUSTULATUS
Abb.6
 
-- Fühler einfarbig rostrot bis braun. Flügeldecken einfarbig braunschwarz [Abb.7], mit 10 furchig vertieften punktierten Streifen. 5-6 mm. Sibirische Art, die reliktär sehr selten im Osten von Õsterreich gefunden wurde.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...ater (Reitter, 1879)

MYCETOPHAGUS ATER
Abb.7
 
#6 Endglied der Fühler beträchtlich länger als die 2 vorhergehenden zusammen [Abb.8]. Oberseite braun bis braunschwarz, Flügeldecken mit großem, gelbem Schulterfleck, einer meist in 3 kleine Flecken aufgelösten Querbinde hinter der Mittel, 1-2 Seitenflecken vor der Mitte und einer Spitzenmakel [Abb.9]. Häufig fehlen einzelne Flecken. Fühler dick, braungelb, vor der Spitze angedunkelt. Das ♂ hat ein noch längeres Fühlerendglied als das ♀. Halsschildpunktur aus voneinander getrennten großen und kleinen Punkten bestehend. 4-4,5 mm. Im Osten des Gebietes sehr selten, im Westen nur wenige Funde aus älterer Zeit.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...decempunctatus F., 1801

MYCETOPHAGUS DECEMPUNCTATUS
Abb.8
MYCETOPHAGUS DECEMPUNCTATUS
Abb.9
-- Endglied der Fühler etwa so lang wie die 2 vorhergehenden zusammen [Abb.10].

   ...7

MYCETOPHAGUS PICEUS
Abb.10
 
-- Endglied der Fühler bedeutend kürzer als die 2 vorhergehenden zusammen [Abb.11]. Oberseite braunschwarz, der Mund, Fühler, Beine und Tarsen rostrot, die Fühler vor der Spitze angedunkelt, auf den Flügeldecken eine größere Schultermakel, auf der Fläche bis zu einer gezackten Querbinde zu Beginn des letzten Drittels mehrere bis zahlreiche veränderliche Flecken gelb, auch vor der Spitze noch ein meist größerer Fleck [Abb.12]. Halsschild sehr dicht mit tiefen großen und dazwischen sehr kleinen Punkten besetzt. 4-4,5 mm. An Baumschwämmen, unter verpilztem Laub, Rinde usw.; Entwicklung wahrscheinlich am Brandkrustenpilz (Kretzschmaria (=Hypoxylon) deustum). Überall nicht selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...atomarius (F., 1792)

MYCETOPHAGUS ATOMARIUS
Abb.11
MYCETOPHAGUS ATOMARIUS
Abb.12
#7 Plumper gebaut, daher etwas größer erscheinend. Farbkontrast der Flügeldeckenzeichnung schwächer [Abb.13]. Endglied der Fühler wenig heller als die braunroten vorhergehenden Glieder Schulter meist nur am Vorderrand dunkel oder ganz hell. Kopf und Halsschild braunrot bis schwarz, Flügeldecken mit großem rotgelbem Schulterfleck, der hinten nach innen zur Naht verlängert ist, hinter der Mitte mit einer gewellten oder gezackten, evtl. in Einzelflecken aufgelösten, an der Naht unterbrochenen Querbinde. Die Zeichnung ist sehr veränderlich, sie kann z.T. oder bis auf die Humeralmakel ganz ausfallen; es können auch zusätzliche Flecken auftreten. Halsschild sehr dicht grob und fein punktiert, die Punkte hängen z. T. in Querstrukturen zusammen. Aedoeagus [Abb.14] [Abb.15]. 4-4,5 mm. An harten Baumschwämmen, in myceldurchsetztem morschem Laubholz. Ganz Europa, im Osten des Gebietes nicht selten, im Westen selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...piceus (F., 1777)

MYCETOPHAGUS PICEUS
Abb.13
MYCETOPHAGUS PICEUS.GIF
Abb.14
MYCETOPHAGUS PICEUS
Abb.15
-- Im Durchschnitt kleiner und schlanker, die dunkle Grundfarbe der Flügeldecken bei ausgefärbten Stücken dunkler [Abb.16]. Daher ist der Farbkontrast der Flügeldeckenzeichnung deutlicher; der Halsschild ebenfalls häufiger hell rot oder rotbraun abgesetzt. Außerdem sollen das Fühlerendglied des ♂ etwas länger und die Behaarung der Flügeldecken etwas kürzer sein. Die Parameren seitlich etwas mehr ausgeschweift, der Medianlobus stärker gebogen [Abb.17] [Abb.18]. 4-4,5 mm. Schwer von der vorigen Art zu unterscheiden. An weichen Baumschwämmen, zum Beispiel Polyporus caudicinus. Die Verbreitung ist ungenügend bekannt, aus deutlich weniger Ländern gemeldet als piceus.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...salicis Bris., 1862


Die Unterscheidung dieser beiden Arten ist schwierig und nur nach der Färbung nicht möglich (wie auch die Abbildungen der "typischen" Färbung nicht entsprechen)! Die angegebenen Unterschiede sind alle nicht konstant. Mehrere Autoren konnten diese von Kavan 1949 angegebenen Merkmale nicht erkennen; für die Artverschiedenheit sprechen aber ökologische Unterschiede: salicis kommt an weichen Baumschwämmen, piceus an harten Baumschwämmen und im myceldurchsetzten Holz vor.
MYCETOPHAGUS SALICIS
Abb.16
MYCETOPHAGUS SALICIS.GIF
Abb.17
MYCETOPHAGUS SALICIS
Abb.18
#8 Halsschild rot, stark, wenig gedrängt punktiert. Oberseite länger, halb aufsteigend, lockerer behaart. Halsschild einfach, stark, locker punktiert, seine Seiten und die der Flügeldecken lang halb abstehend locker bewimpert. Kopf schwarz, Halsschild rotgelb. Flügeldecken zwischen den groben Punktreihen glänzend. Untergattung: Mycetoxides Motsch.
Gestreckt. Flügeldecken fast schwarz, hinter der Basis und hinter der Mitte mit je einer blaßgelben Querbinde [Abb.19], dazwischen meist ein gelber Seitenfleck. Fühler und Beine rostrot. 4-4,5 mm. Mehr in verpilztem Laubholz als in Baumschwämmen, im Osten des Gebietes selten, im Westen sehr selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...fulvicollis F., 1792

MYCETOPHAGUS FULVICOLLIS
Abb.19
 
-- Halsschild schwarz oder rotbraun, dicht rugulos punktiert.

   ...9

 
#9 Fühler mit 5 größeren, gut abgesetzten Endgliedern, die 4 vorletzten +/- quer. Oberseite fein anliegend behaart, Halsschild sehr dicht runzelig gedrängt punktiert, kaum heller als der Kopf. Halsschild- und Flügeldeckenseiten dicht anliegend bewimpert. Flügeldecken zwischen den feineren Punktreihen sehr dicht punktuliert. Untergattung: Ilendus Cas.
Oberseite rostrot bis dunkelbraun, Fühler und Beine etwas heller, die Flügeldecken mit zahlreichen ± ineinanderfließenden gelbbraunen Flecken [Abb.20]. Aedoeagus [Abb.21]. 4,2-4,5 mm. An Laubholzschwämmen, im ganzen Gebiet, aber selten. Ich habe die Art aus dem Erlen-Schillerporling (Inonotus radiatus) gezüchet.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...multipunctatus F., 1792

MYCETOPHAGUS MULTIPUNCTATUS
Abb.20
MYCETOPHAGUS MULTIPUNCTATUS.JPG
Abb.21
-- Fühler zur Spitze allmählich verbreitert, ohne deutlich abgesetzte Keule. Untergattung Arnoldiellus.
Braunschwarz. Die Palpen, die Wurzel der Fühler und die Spitze des Endgliedes und die Beine rotbraun. Kopf und Halsschild dicht rugulos punktiert, matt, gelblich, etwas rauh behaart, letzterer merklich schmäler als die Flügeldecken, quer, an den Seiten stark gerundet, gekerbt, vor den scharfeckigen Hinterwinkeln etwas geschwungen, mit 3 Basalgrübchen, das mittlere sehr seicht; Flügeldecken mit punktförmigen, meist +/- zusammengeflossenen rostroten Flecken; hinter der Schulterbeule befindet sich fast immer ein größerer Fleck in Form einer Triangel, weit hinter der Mitte eine sehr zackige Querbinde, vor der Spitze eine größere Makel [Abb.22]. Flügeldecken tief punktiert gestreift. Die Zwischenräume schmäler als die Streifen, fein und dicht punktuliert, kurz anliegend schwarz, auf den gelblichen Flecken gelb behaart. 4-4,6 mm. Aus Rußland beschrieben; Baltikum, Schweden.

   ...tschitscherini (Reitter, 1897)

MYCETOPHAGUS TSCHITSCHERINI
Abb.22
 
  ater
atomarius
decempunctatus
fulvicollis
multipunctatus
piceus
populi
quadriguttatus
quadripustulatus
salicis
tauricus
tschitscherini
     Erstellt am: 08.06.2010
Letzte Aktualisierung: 18.07.2015 - 11:21:22
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