Gattung Micrambe Thoms. Coleoptera - Polyphaga - Heteromera - Cryptophagidae
  von Arved Lompe (n. N. Bruce, G.A. Lohse, Reska & Franzen, J.C. Otero)
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Bruce, N. (1936): Monographie der europäischen Arten der Gattung Cryptophagus Herbst - mit besonderer Berücksichtigung der Morphologie des männlichen Kopulationsorgans in: Acta Zoologica Fennica, Hrsg. Societas Pro Fauna et Flora Fennica, 20: 1-165, , Helsingfors, Private Datei: F:\taxa\coleo\scans\Bruce1936 Cryptophagus.pdf
Otero, J.C (2013): Cryptophaginae (Coleoptera) of the West Palaearctic Region in: Coleopterological Monographs, Hrsg. Asociación Europea de Coleopterología, 4:1-295 Private Datei: F:\taxa\coleo\scans\Otero2013 Cryptophaginae.pdf p.243
  Von Cryptophagus durch fehlenden Lateralzahn in der Mitte des Halsschildseitenrandes verschieden. Die ♂ erkennt man an den nur 4-gliedrigen Hintertarsen (Ausnahme abietis und mediterranica mit 5 Tarsengliedern). Die Halsschildproportionen werden wie in [Abb.1] gemessen.
MICRAMBE MESSUNG.GIF
Abb.1
 
#1 Wangenfortsatz fehlend [Abb.2], Fühler schlank und lang. einfarbig gelb bis braun. Untergattung Micrambe s.str.

   ...2

MICRAMBE KOPF.GIF
Abb.2
 
-- Wangenfortsatz vorhanden (wie bei Cryptophagus [Abb.3]), Fühler kompakter, die Keule weniger scharf abgesetzt. Untergattung Micrambinus Reitter
Flügeldecken gelbbraun mit einem dunklen Querband in der Mitte [Abb.4]. Halsschildvorderwinkelverdickung kurz, seitlich nicht vorspringend. Halsschild gerundet, am Seitenrand kräftig gezähnelt, etwa in der Mitte am breitesten [Abb.5]. Körper länglich oval, rostrot. Flügeldecken normalerweise mit einem ausgedehnten dunklen Fleck in der Mitte. 1,8-2,2 mm. ♂: Parameren [Abb.6]. Vorzugsweise im östlichen Mitteleuropa; aus verpilztem Laubholzreisig zu sieben, an Nadelholz, an Pilzen. Ziemlich selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...bimaculata (Panz., 1798)

CRYPTOPHAGUS KOPF.GIF
Abb.3
MICRAMBE BIMACULATA
Abb.4
MICRAMBE BIMACULATUS
Abb.5
MICRAMBE BIMACULATUS
Abb.6
#2 Oberseite einfach, +/ kurz, anliegend behaart, nur an den Seiten manchmal etwas länger.

   ...3

 
-- Oberseite doppelt behaart, zusätzlich mit längeren, etwas aufstehenden Haaren, die auf der Scheibe oft in Reihen angeordnet sind.

   ...13

 
#3 Hintertarsen in beiden Geschlechtern 5-gliedrig.

   ...4

 
-- Tarsenformel bei den ♂ 5-5-4, bei den ♀ 5-5-5. Im Zweifelsfall (einzelne ♀) folge man dieser Leitzahl.

   ...5

 
#4 Halsschild wenig quer (B/L ~1,4) [Abb.7] [Abb.8], Vorderwinkelverdickung ~1/4 der Seitenlänge des Halsschilds, dahinter gerundet zur Basis verengt. Gedrungener, ± Iang oval. Einfarbig rotbraun, Oberseite weniger stark punktiert als bei longitarsis. Fühler beim ♀ kürzer, beim ♂ gewöhnlich gestreckt, aber das 6. und 8. Glied nicht länger als breit und das 5. Glied deutlich kürzer als das 3. ♂ lassen sich an den etwas erweiterten Vordertarsen erkennen. Aedoeagus [Abb.9] und Parameren [Abb.10] [Abb.11]. 2,2-2,4 mm. Wohl überall in Fichtenwäldern, nicht selten; im Frühjahr leicht in Anzahl von Fichtenzweigen zu klopfen. (pfefferi Roub.).

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...abietis (Payk., 1798)

MICRAMBE ABIETIS
Abb.7
MICRAMBE ABIETIS
Abb.8
MICRAMBE ABIETIS.GIF
Abb.9
MICRAMBE ABIETIS
Abb.10
MICRAMBE ABIETIS1.JPG
Abb.11
 
-- Halsschild stärker quer (B/L ~1,6-1,7). Halsschildseitenränder schwach gezähnt und gerade zur Basis verengt. Vorderwinkelverdickung ~1/3 der Seitenlänge. Flügeldecken feiner und viel weitläufiger punktiert als der Halsschild. Rotbraun. Aedoeagus [Abb.12]. 1,7-2,1 mm. Gern auf Blüten von  Pistacia lentiscus,  Acacia cyanophylla,  Tamarix parviflora und  Euphorbia sp.. Griechenland, Jordanien; Malta.

   ...mediterranica Otero & Johnson

MICRAMBE MEDITERRANICA.GIF
Abb.12
 
#5 Vorderwinkelverdickung klein oder sehr klein, 1/5-1/7 des Seitenrands einnehmend.

   ...6

 
-- Vorderwinkelverdickung groß, 1/3-1/4 der Seitenlänge.

   ...7

 
#6 Gelbraun mit rotbraunem Kopf und Halschild. Seitenränder das Halsschilds fein gezähnt, bis zur Mitte parallel, dann zur Basis gerade verengt. Aedoeagus [Abb.13]. 2,4 mm. Albanien, Kaukasus, Mongolei.

   ...translata (Grouvelle)

MICRAMBE TRANSLATA.GIF
Abb.13
 
-- Kopf, Halsschild und Fühler rostbraun, Flügeldecken gelbbraun. Halsschild mäßig quer (B/L ~1,6), die Seitenränder deutlich gezähnt, in gleichmäßiger Kurve zur Basis verengt oder bis zur Mitte parallel und dann zur Bais gerade verengt. Aedoeagus [Abb.14]. 1,8-2,5 mm. Von Abanien bis Mittelasien verbreitet.

   ...nigricollis (Reitter)

MICRAMBE NIGRICOLLIS.GIF
Abb.14
 
#7 Halsschildkontur am Hinterrand der Vorderwinkelverdickung gewinkelt, vorragend und (!) die Seitenränder das Halsschilds nur sehr fein gezähnt, nach hinten zur Basis gerade und ziemlich stark verengt [Abb.15]. Gelbbraun. Aedoeagus [Abb.16]. 1,8-2 mm. Kanarische Inseln: La Palma, Gomera, Teneriffa, Gran Canaria.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...hesperia (Wollaston, 1863)

MICRAMBE HESPERIA
Abb.15
MICRAMBE HESPERIA.GIF
Abb.16
-- Vorderwinkelverdickung anders oder die Seitenränder deutlich gezähnt.

   ...8

 
#8 Halsschildseitenrand grob gezähnt, bis zur Mitte parallel, dann fast winkelig zur Basis verengt. Aedoeagus an der Spitze mit einer kleinen Erweiterung [Abb.17]. 2,0-2,3 mm. Entwickelt sich wie perrisi (LZ    >>>12) in Nestern des Kiefernprozessionsspinners ( Thaumatopoea pityocampa). Südfrankreich, Italien, Südschweiz

   ...umbripennis (Reitter)



Von perrisi (LZ    >>>8) mit gleicher Lebensweise durch einfache Behaarung zu unterscheiden.
MICRAMBE UMBRIPENNIS.GIF
Abb.17
 
-- Halsschildseitenrand fein gezähnt und in gleichmäßiger Kurve zur Basis verengt.

   ...9

 
#9 Halsschild schwach quer (L/B = 1,5-1,6).

   ...10

 
-- Halsschild +/- stark quer (B/L >= 1,7).

   ...11

 
#10 Halsschildseitenrand von der Mitte zur Basis verengt, der Halsschild also in der Mitte am breitesten. Langgestreckt parallelseitig, besonders der Halsschild weniger quer [Abb.18]. Dunkelbraun bis schwärzlich, Fühler sehr schlank, sämtliche Glieder der Geißel gestreckt, 5. Fühlerglied so lang wie das 3. Aedoeagus [Abb.19], Parameren [Abb.20]. 2,2-2,7 mm. Boreoalpin; bei uns in den Alpen an Fichten sehr selten.

   ...longitarsis (Sahlb., 1900)

MICRAMBE LONGITARSIS
Abb.18
MICRAMBE LONGITARSIS.GIF
Abb.19
MICRAMBE LONGITARSIS
Abb.20
 
-- Halsschildseitenrand vom Ende der Vorderwinkelverdickung zur Basis verengt [Abb.21], der Halsschild also vor der Mitte am breitesten, an der Basis deutlich schmäler als die Flügeldecken. Halsschild mäßig quer (B/L = 1,6). 2,0 mm. Spanien, Großbritannien. Sehr selten.

   ...punctata Grouvelle

MICRAMBE PUNCTATA
Abb.21
 
#11 Augen normal, halbkugelig und vorstehend. Das 3. Fühlerglied etws länger als das 2., das 5. deutlich länger als das 4. und das 6. und etwa 1,5-2 x so lang als breit. Halsschild mäßig breit (B/L ~ 1,7), an der Basis deutlich schmäler als die Flügeldecken; die Seitenränder gezähnt und zur Basis verengt [Abb.22]. Braungelb, Oberseite etwas grau schimmernd behaart, Behaarung einfach und ziemlich anliegend, selten mit längeren, aufstehenden Haaren durchmischt und dann von villosus mit Sicherheit wohl nur durch Genitaluntersuchung zu trennen. Aedoeagus [Abb.23] [Abb.24]. 1,8-2,3 mm. Weit verbreitet, aber selten, an blühenden Papilionaceen (Ulex, Sarothamnus etc.), gelegentlich in Anzahl. (vini (Panz., 1797))

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...ulicis (Stephens, 1830)


MICRAMBE ULICIS
Abb.22
MICRAMBE ULICIS.GIF
Abb.23
MICRAMBE ULICIS
Abb.24
 
-- Augen groß, aber wenig vorstehend. Halsschild quer (B/L >1,7).

   ...12

 
#12 Halsschildseitenrand von der Vorderwinkelverdickung zur Basis in gerader Linie verengt. Aedoeagus [Abb.25] 1,8 mm. Südspanien.

   ...micoae Otero & Johnson.

MICRAMBE MICOAE.GIF
Abb.25
 
-- Halsschildseitenrand zur Basis im Bogen verengt. Aedoeagus [Abb.26]. 1,9-2,0 mm. Entwickelt sich in Nestern des Kiefernprozessionsspinners ( Thaumatopoea pityocampa). Mittelmeergebiet bis Slowenien und Bulgarien.

   ...perrisi (Brisout de Barneville)


Von umbripennis (LZ    >>>8) mit gleicher Lebensweise durch doppelte Behaarung zu unterscheiden.
MICRAMBE PERRISI.GIF
Abb.26
 
#13 Ungeflügelt. Augen groß, halbkugelig und vorragend. Halsschild quer (B/L ~1,7), die Seitenränder gezähnt und im Bogen zur Basis verengt. Vorderwinkelverdickung relativ groß, ca. 1/3 der Halsschildseitenlänge, seitlich nicht vortretend. Aedoeagus [Abb.27]. 1,7- 1,9 mm. Kanarische Inseln: El Hierro.

   ...occidentalis (Wollaston)

MICRAMBE OCCIDENTALIS.GIF
Abb.27
 
-- Geflügelt.

   ...14

 
#14 Vorderwinkelverdickung des Halsschilds sehr kurz, nur 1/7-1/8 der Seitenlänge messend, von oben nicht sichtbar; die Seitenränder bis zur Mitte parallel, dann zur Basis verngt. Aedoeagus [Abb.28]. 2-2,4 mm. Südrußland.

   ....silvanoides (Reitter)

MICRAMBE SILVANOIDES.GIF
Abb.28
 
-- Vorderwinkelverdickung des Halsschilds groß, 1/3-1/4 der Seitenlänge und von oben gut sichtbar.

   ...15

 
#15 Augen asymmetrisch, stark konisch vorspringend. Halsschild stark quer (B/L = 1,8-1,9), die Seitenränder deutlich gezähnt und in gleichmäßiger Kurve zur Basis verengt; Vorderwinkelverdickung ~1/3 der Seitenlänge, aufgebogen, mit der Stirnfläche mehr nach außen orientiert [Abb.29]. Halsschild und Flügeldecken sehr dicht, der Halsschild kräftiger punktiert. Aedoeagus [Abb.30]. Parameren [Abb.31]. 1,9-2,1 mm. Vorzugsweise montan bis subalpin, in Nadelwald verstreut und selten. (lindbergorum (Bruce, 1934)).

   ...pilosula Erichson, 1846

MICRAMBE LINDBERGORUM
Abb.29
MICRAMBE PILOSULA.GIF
Abb.30
MICRAMBE LINDBERGORUM
Abb.31
 
-- Augen symmetrisch, halbrund und nicht auffällig vorspringend. Halsschild mäßig quer (B/L = 1,6-1,7), schmäler als die Flügeldecken; Seitenränder fein gezähnt, zur Basis verengt; Vorderwinkelverdickung kleiner (~1/4 der Seitenlänge), weniger aufgebogen, aber seitlich stärker vorspringend, die Stirnfläche mehr schräg nach vorn orientiert [Abb.32]. Von pilosula meist auch durch die zwar ebenso dichte, aber etwas feinere Punktur der Oberseite zu trennen [Abb.33]. Aedoeagus [Abb.34] [Abb.35]. 1,8-2,3 mm. Gerne auf Blüten (Sarothamnus, Ulex, Carduus, Cirsium, Ilex) gelegentlich in Menge anzutreffen, aber im allgemeinen verstreut und selten. Europa. (villosus (Heer, 1841))

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...woodroffei Johnson, 2007


Von ulicis (LZ    >>>11) kommen Exemplare vor, welche ausnahmsweise eine doppelte Behaarung besitzen; diese dürften nur durch Genitaluntersuchung von woodroffei zu unterscheiden sein.
MICRAMBE WOODROFFEI
Abb.32
MICRAMBE VILLOSUS
Abb.33
MICRAMBE WOODROFFEI.GIF
Abb.34
MICRAMBE WOODROFFEI
Abb.35
 
abietis
bimaculata
hesperia
longitarsis
mediterranica
micoae
nigricollis
occidentalis
perrisi
pilosula
punctata
translata
ulicis
umbripennis
woodroffei
     Creative Commons Lizenzvertrag
Erstellt am: 05.08.2009
Letzte Aktualisierung: 23.04.2017 - 16:46:56
Käfer Europas von Arved Lompe (n. N. Bruce, G.A. Lohse, Reska & Franzen, J.C. Otero)
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