Gattung Meloe L. - Mitteleuropäische Arten Coleoptera - Heteromera - Meloidae
  Von Arved Lompe (n. Z. Kaszab)
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Reitter, E. (1895 ): Meloidae I. Theil: Meloini - Bestimmungstabellen der europäischen Coleopteren, 32 Private Datei: F:\taxa\coleo\scans\Reitter-Best-Tab-Heft32 Meloini.pdf
  Kopf groß, Scheitel stark gewölbt, Schläfen lang, am Hals stark eingeschnürt. Fühler schnurförmig, manchmal sind die mittleren Glieder verdickt oder verschiedenartig geformt. Halsschild meist schmäler als der Kopf, immer viel schmäler als die Flügeldecken; Hinterleib meist lang, besonders beim ♀, er kann viel länger sein als die Flügeldecken; Beine kräftig, Krallen glatt. Der äußere Enddorn der Hinterschienen dick und das Ende schräg abgestutzt. Die Arten dieser Gattung leben im Larvenzustand in den Nestern von Hummeln und Bienen, die Imagines an grasreichen Flächen und Rainen, wo sie ihre Eier ablegen. Die jungen Larven kriechen auf Blüten, wo sie sich an den Haaren der besuchenden Hymenopteren festhalten und so in deren Nester getragen werden. Hier werden nur die für Mitteuropa gemeldeten Arten aufgeführt. Für eine umfassendere Tabelle siehe Meloe
#1 Fühler beim ♀ weniger, beim ♂ in der Mitte stärker erweitert, die 4 letzten Glieder und das Wurzelglied dünner, manchmal sind die mittleren Glieder des ♂ deformiert [Abb.1]. Halsschild so lang oder fast so lang wie breit.

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MELOE PROCARABAEUS
Abb.1
 
-- Die Mitte der Fühler bei beiden Geschlechtern nicht erweitert. Halsschild meist quer, nicht länger als breit.

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#2 Flügeldecken sehr fein chagriniert, fettglänzend, spärlich mit tieferen, großen, eingestochenen Punkten besetzt. Halsschild quer, Oberseite flach, fettglänzend, kaum punktiert. Fühler des ♂ und ♀ fast gleich, nur die mittleren Glieder der Fühler beim ♂ dicker, nicht deformiert und nicht geknickt. Untergattung Treiodus.
Schwarz mit violettem oder bläulichem Schimmer. 8-23 mm. Weit verbreitet, aber selten; Herbsttier, erst ab Mitte VIII. Bis auf den Norden in ganz Europa.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...autumnalis Ol., 1792

 
-- Flügeldecken lederartig gerunzelt, die Runzeln zusammenfließend. Halsschild nicht ganz flach, wenn auch fein, jedoch gut erkennbar oder grob punktiert. Die Glieder 5-7 der Fühler beim ♂ stark erweitert, unregelmäßig geknickt, beim ♀ nur einfach verdickt. Frühjahrstiere. Untergattung Meloe s.str. (Proscarabaeus Steph.)

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Kopf und Halsschild grob punktiert, der Grund zwischen den Punkten des Kopfes und Halsschild glatt und glänzend [Abb.2]. Hinterrand des Halsschilds fast gerade. Schwarzblau oder fast ganz schwarz, manchmal lebhafter blau oder violett. Flügeldecken grob gerunzelt [Abb.3], die Runzelung der Flügeldecken variabel [Abb.4]. Innerer Enddorn der Hinterschienen breit löffelförmig [Abb.5]. 11-35 mm. Die häufigste Art, in den ebenen und niederen Lagen im allgemeinen nicht selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...proscarabaeus L., 1758

MELOE PROSCARABAEUS
Abb.2
MELOE PROSCARABAEUS
Abb.3
MELOE PROSCARABAEUS
Abb.4
MELOE PROSCARABAEUS
Abb.5
 
-- Kopf und Halsschild fein und spärlich punktiert, der Grund zwischen den Punkten sehr fein chagriniert, deshalb matt [Abb.6]. Die Runzelung der Flügeldecken fein und in Längsrichtung gerichtet [Abb.7] oder ähnlich unregelmäßig hautartig wie bei proscarabaeus [Abb.8]. Die Basis des Halsschilds leicht ausgerandet. Körper lebhafter blau, selten schwarzblau. Innerer Enddorn der Hinterschienen schmal, zugespitzt [Abb.9]. 10-32 mm. Weit verbreitet und in gebirgigen Gegenden häufiger als die vorige Art; in der Ebene überall, gebietsweise häufiger als proscarabaeus, andernorts wiederum sporadisch und selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...violaceus Marsh., 1802

MELOE VIOLACEUS
Abb.6
MELOE VIOLACEUS
Abb.7
MELOE VIOLACEUS
Abb.8
MELOE VIOLACEUS
Abb.9
#4 Kopf gleich hinter den Augen mit je einem langen Eindruck. Basis des Halsschilds nicht gerandet. Untergattung Lampromeloe Reitt.
Kopf und Halsschild sehr grob, runzelig punktiert, Flügeldecken hautartig gerunzelt, zwischen den Runzeln mit größeren, flachen und glänzenden Erhabenheiten. Dunkel erzgrün, die Rand des Kopfes und Halsschild kupferrot, Hinterleib unten blaugrün, oben jedes Segment mit einem grünen und kupferroten Fleck. 11-38 mm. Weit verbreitet und besonders im Osten nicht selten, stellenweise als häufig gemeldet.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...variegatus Don., 1793

 
-- Kopf hinter den Augen ohne Eindruck, Scheitel leicht gewölbt. Schwarz, blau oder blauviolett, aber niemals kupferig oder grün.

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#5 Oberseite des Halsschilds flach, Seitenrand gerade, parallel oder nach hinten verengt. Hinterecken des Halsschilds scharf, sie sind mit dem Hinterrand nicht gemeinsam abgerundet. Nur Frühjahrstiere.

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-- Oberseite des Halsschilds gewölbt, Seitenrand stumpf gerandet, die Hinterecken in einem breiten Bogen abgerundet. Hinterrand eingedrückt, die Mitte niedriger als die Scheibe des Halsschilds. Meist Frühjahrstiere, manche aber auch im Herbst. Untergattung Eurymeloe Reitt.

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#6 Kopf und Halsschild grob punktiert, Flügeldecken grob gerunzelt oder auch die Flügeldecken grob punktiert.

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-- Kopf und Halsschild glatt oder fein punktiert, Flügeldecken fein gerunzelt oder ebenfalls glatt.

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#7 Hinterrand des Halsschilds in der Mitte eingedrückt, viel tiefer gelegen als die Scheibe, in einem leichten Bogen ausgeschnitten und gerandet. Oberseite flach, ohne Längseindrücke. Untergattung Coelomeloe Reitt.
Kopf und Halsschild sehr grob und verhältnismäßig dicht punktiert, die Punkte grübchenförmig [Abb.10]. Flügeldecken ebenfalls sehr grob punktiert, die Runzeln jedoch erloschen. Schwarz, Hinterleib matt. Die Behaarung der Fühler und Beine schwarz. 14-25 mm. In Südeuropa, im Mediterraneum und im Osten verbreitet, überall ziemlich selten; kommt bis Õsterreich vor.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...tuccius Rossi, 1792

MELOE TUCCIUS
Abb.10
 
-- Hinterrand des Halsschilds in der Mitte nicht eingedrückt, die Mitte liegt mit der Scheibe in gleicher Linie. Flügeldecken mit flachen Erhabenheiten, dazwischen mit konzentriert gerunzelten Flecken. Untergattung Meloegonius Reitt.

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#8 Halsschild vorn am breitesten, Vorderecke vorragend, Seitenrand gerade verengt. Die Mittellängsfurche des Halsschilds höchstens an der Basis tiefer, gegen die Mitte erloschen. Schwarz mit blauem Schimmer, die Behaarung der Beine blau. Die glatten Erhabenheiten der Flügeldecken kleiner, flacher, dichter gestellt. Oberseite des Halsschilds flach, nur an den Vorderwinkeln leicht eingedrückt. 16-45 mm. Von Südeuropa und dem südlichen Mitteleuropa weit nach Osten verbreitet, im pannonischen Donaubecken sehr häufig, im Westen und nördlich sporadisch und selten. (punctatoradiatus Latr.).

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...cicatricosus Leach, 1811

 
-- Halsschild parallel, Vorder Winkel abgerundet, Mittellängsfurche kräftig. Schwarz, glänzend, ohne blauen Schimmer, nur die Behaarung der Beine und Fühler blau. Die glänzenden Erhabenheiten der Flügeldecken größer. Oberseite des Halsschilds zwischen Seitenrand und Längsmittelfurche eingedrückt, daher der Vorderrand schärfer. Manchmal ist die Basis der Hinterleibsternite rotgelb. 16-32 mm. In Ost- und Mitteleuropa verbreitet, im Westen seines Verbreitungsgebietes meist sehr selten, fehlt im Norden. (sulcicollis Latr., coriarius Brandt & Erichson, 1832)

   ...rufiventris Germar, 1817

 
#9 Nahtränder der Flügeldecken gelb [Abb.11]. Vorderrand des Halsschilds und das Schildchen goldgelb behaart. Halsschild ganz flach und quadratisch. Untergattung Listromeloe Reitt.
Kopf und Halsschild glatt, matt, außerordentlich fein und dicht punktiert, dazwischen mit spärlich stehenden, etwas größeren Punkten. Flügeldecken erloschen, fein und länglich gerunzelt. Körper schwarz, die Behaarung der Beine und Fühler blau. 16-40 mm. In Südosteuropa, östlich bis Iran verbreitet, auch im Wiener Donaubecken und in Südwestdeutschland, aber sehr selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...hungarus Schrk., 1776

MELOE HUNGARUS
Abb.11
 
-- Seitenrand der Flügeldecken nicht gelb gesäumt. Vorderrand des Halsschilds schwach behaart, Schildchen nicht gelb behaart. Halsschild quer, mit drei seichten Längseindrücken. Flügeldecken nur an den Schultern oder bis zur Spitze stumpf gekantet. Untergattung Micromeloe Reitt.

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#10 Kopf und Halsschild sehr fein, spärlich punktiert, fast glatt, fettglänzend. Oberseite der Flügeldecken sehr fein gerunzelt, von den Schultern bis zur Spitze mit einem etwas aufgewölbten, breiten und stumpfen Rand; Oberseite schwarz, unten und die umgeschlagenen Seiten der Flügeldecken blau. Die Behaarung schwarz, die Tarsen beim ♂ unten mit gelber Behaarung. 9-23 mm. In Südosteuropa und im südöstlichen Mitteleuropa an xerothermen Hängen überall verbreitet, nach Westen bis zum Wiener Donaubecken.

   ...uralensis Pall.

 
-- Kopf und Halsschild verhältnismäßig fein aber ziemlich dicht punktiert, zwischen den Punkten glänzender, Flügeldecken stärker gerunzelt. Flügeldecken nur an den Schultern und auch dort nur schwach gekantet. Kopf und Halsschild violett, Flügeldecken und Hinterleib blau. 12-20 mm. Im südlichen Mitteleuropa, besonders im Osten verbreitet, in Österreich und in Süddeutschland an xerothermen Hängen und Sandgebieten im ersten Frühjahr sehr selten.

   ...decorus Brandt & Erichson, 1832

 
#11 Kopf und Halsschild kahl, ziemlich grob und spärlich punktiert, Flügeldecken fein und lederartig gerunzelt [Abb.12] [Abb.13]. Hinterrand des Halsschilds fast gerade. Fühler kurz, gegen das Ende verdickt. Körper, besonders die Oberseite blau. Manchmal ist die Punktierung der Oberseite viel gröber. 7-24 mm. Weit verbreitet und im Frühjahr meist nicht selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...brevicollis Panz., 1793

MELOE BREVICOLLIS
Abb.12
MELOE BREVICOLLIS
Abb.13
-- Kopf und Halsschild deutlich behaart. Fühler zur Spitze nicht verdickt und länger. Körper schwarz, höchstens mit schwachem blauem Schimmer.

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#12 Fühler dick, vorletzte Glieder nicht länger als breit [Abb.14]. Die Punktierung des Kopfes gleichmäßig, meist fein. Augen klein, ziemlich flach, aus der Wölbung des Kopfes kaum vorragend. Stirn ohne Längsfurche, die Naht zwischen Clypeus und Stirn vollkommen flach, nicht eingedrückt. Halsschild quer, Oberseite ziemlich flach, vorn beiderseits leicht eingedrückt und radial gerunzelt. Flügeldecken fein, erloschen gerunzelt. Die Behaarung der membranösen Teile des Hinterleibs gleichmäßig und fein, schwarz. Körper schwarz, fettglänzend mit schwachem bläulichem Schimmer. Der äußere Enddorn der Hinterschienen schmal [Abb.15]. 6-25 mm. In Südosteuropa und Mitteleuropa, im Osten bis Zentral-Asien verbreitet, im pannonischen Donaubecken, in steppenartigen Geländen im Frühjahr sehr häufig, nach Westen nur stellenweise und selten.

   ...scabriusculus Brandt & Erichson, 1832

MELOE SCABRIUSCULUS
Abb.14
MELOE SCABRIUSCULUS
Abb.15
-- Fühler dünn, vorletzte Glieder länger als breit [Abb.16]. Die Punktierung des Kopfes grob, meist ungleichmäßig, Schläfen gleich hinter den Augen etwas eingedrückt, daher die Augen mehr gewölbt erscheinend, aus der Wölbung des Kopfes mehr vorragend. Stirn mit einer kurzen und vollständigen Mittelfurche. Zwischen Clypeus und Stirn ist die Quernaht eingedrückt, wenigstens die Basis des Clypeus etwas tiefer gelegen als die Stirn. Die Runzelung der Flügeldecken gröber. Körper ganz schwarz.

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MELOE MEDITERRANEUS
Abb.16
 
#13 Stirn mit einer kräftigen, bis zur Clypealnaht reichenden Längsmittelfurche [Abb.17]. Kopf ungleichmäßig und sehr grob punktiert, die Zwischenräume zwischen den Punkten glänzend, Oberseite am Innenrand der Augen eingedrückt. Halsschild auch mit einer ± scharfen Mittellängsfurche [Abb.18]. Seitenrand nach vorn stärker verengt. Flügeldecken sehr grob längsgerunzelt, ziemlich glänzend. Die membranösen Teile des Hinterleibs seidenschimmernd, in den kleinen Grübchen ist die Behaarung gruppenweise angeordnet, die Behaarung nicht gleichmäßig. Die stärker chitinisierten Tergite radial gerunzelt. Der äußere Enddorn der Hinterschienen schmal [Abb.19]. Fühler länger und dünner. 6-18 mm [Abb.20]. In ganz Mitteleuropa verbreitet, in der Ebene und im Vorland der Gebirge, besonders an Wärmestellen im Herbst und im ersten Frühjahr, meist nicht selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...rugosus Marsh., 1802

MELOE RUGOSUS
Abb.17
MELOE RUGOSUS
Abb.18
MELOE RUGOSUS
Abb.19
MELOE RUGOSUS
Abb.20
-- Die Längsmittelfurche der Stirn seicht, erreicht nicht die CIypeaInaht und fehlt manchmal vollkommen [Abb.21]. Kopf sehr grob aber gleichmäßig punktiert, die Zwischenräume zwischen den Punkten nicht glänzend. Stirn am Innenrand der Augen nur flach. Seiten des Halsschilds fast parallel, die Längsmittelfurche sehr seicht. Die Runzelung der Flügeldecken feiner, erloschener. Die Behaarung der membranösen Teile des Hinterleibs gleichmäßig, die stärker chitinisierten Tergite fein, lederartig punktiert. Der äußere Enddorn der Hinterschienen breit und dick [Abb.22]. Fühler kürzer und dicker. 6-20 mm. Im ganzen Mittelmeerraum weit verbreitet, im pannonischen Donaubecken bis weit nördlich der Donau; höchstwahrscheinlich auch in Österreich.

   ...mediterraneus Müll., 1925

MELOE MEDITERRANEUS
Abb.21
MELOE MEDITERRANEUS
Abb.22
  autumnalis
brevicollis
cicatricosus
decorus
hungarus
mediterraneus
proscarabaeus
rufiventris
rugosus
scabriusculus
tuccius
uralensis
variegatus
violaceus
     Creative Commons Lizenzvertrag
Erstellt am: 28.07.2014
Letzte Aktualisierung: 28.01.2020 - 12:10:07