Gattung Byrrhus L. Coleoptera - Polyphaga - Tarsen-5-5-5 - Byrrhidae
  Von Arved Lompe (n. H.F. Paulus)
Informieren Sie mich bitte über Fehler oder Ergänzungen über mailbox@lompe.de
Fiori, G. (1951): Alcuni appunti sui Byrrhus L. s. str. europei. - Boll.Ist.Ent.Univ. Bologna 18:293-304.
Fiori, G. (1953): I Seminolus Muls. et Rey. - Redia 37:371-404; 38:85-110.
Paulus, H. F. (1971): Neue Byrrhidae aus Asien, mit Bemerkungen zur systematischen Stellung von Seminolus Muls. et Rey - Ent. Blätt. 66:163-174.
  Körper oval, hochgewölbt, teilweise dicht anliegend fein tomentiert, nur bei pilosellus mit längeren abstehenden Haaren, ohne kräftige Borsten. Flügeldecken mit Längsstreifen oder diese Streifen durch unregelmäßige Linien und Furchen ersetzt. Alle Schienen mit breiten Längsfurchen, alle Beine können in tiefe Gruben auf der Unterseite eingelegt werden, ebenso kann der Kopf mit allen Mundteilen in die Vorderbrust eingezogen werden, so daß bei Gefahr eine vollständige, pillenförmige ,,Trutzform" (Pillenkäfer") eingenommen werden kann. Fühler zur Spitze allmählich verdickt, höchstens mit schwach abgesetzter 5-gliedriger Keule. Flügeldecken bei ungeflügelten Arten an der Naht verwachsen, stets mit 1 Randstreifen. Die vorn tief ausgehöhlten Epipleuren der Flügeldecken durch 1 Randkante oder 1 Randstreifen abgesetzt. Oberseite schwarz, schwarzbraun oder auch kastanienbraun, nie metallisch. Alle Schienen stark abgeflacht, 3. Tarsenglied mit oder ohne Hautlappen. Klauen der ♂ viel kräftiger als bei den ♀, stark hakenförmig gekrümmt, beim ♀ einfach gleichmäßig gebogen. Mit zahlreichen Arten über die gesamte Holarktis verbreitet, von der Ebene bis in die höchsten Regionen der Gebirge. Einige Arten sind nach äußeren Merkmalen nur schwer bestimmbar. Sicherheit bringt stets die Untersuchung der ♂ Genitalien.  
#1 Flügeldecken mit regelmäßigen Längsstreifen, an der Naht nicht verwachsen, mit wohl ausgebildeten Flügeln (selten stummelförmig). Epipleuren der Flügeldecken vorn viel schmäler als die Episternen der Hinterbrust [Abb.1]. Prosternum in der Mitte viel länger als zwischen den Vorderhüften breit. 3. Tarsenglied stets ohne Hautläppchen. (Untergattung Byrrhus s.str.).

   ...2

BYRRHUS PILULA
Abb.1
 
-- Flügeldecken mit unregelmäßigen Streifen oder unregelmäßigen Linien und Furchen, Flügeldeckennaht verwachsen, Flügel fehlend. Epipleuren der Flügeldecken vorn viel breiter abgesetzt, so breit oder breiter, selten etwas schmäler als die Episternen der Hinterbrust [Abb.2]. Vorderbrust in der Mitte etwa so lang wie, seltener wenig länger oder kürzer als zwischen den Vorderhüften breit.

   ...5

BYRRHUS LINEATUS
Abb.2
 
#2 Körper kurz verkehrt eiförmig, Flügeldecken hinter der Mitte etwas erweitert und hier am breitesten. Hinterleibssternite dicht gekörnelt, matt, mit dichter, anliegender, kurzer, grauweißer oder gelblicher Behaarung. Halsschild zwischen der Punktierung glatt. Oberseite sehr variabel tomentiert, oft mit einer halbmondförmigen bräunlichen oder silbrigen Binde auf den Flügeldecken. Spitze des Penis schmal, einfach verjüngt, von der Seite gesehen flach abwärts gekrümmt, Paramerenspitzen allmählich verengt, einfach schmal abgerundet [Abb.3]. 6,5-8,0 mm. In Mitteleuropa wohl überall bis in die hohen Lagen der Gebirge, meist nicht selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...fasciatus (Forst., 1771)

BYRRHUS FASCIATUS.GIF
Abb.3
 
-- Körper regelmäßig oval, fast rundlich, hinten leicht zugespitzt oder länglich oval, Flügeldecken hinter der Basis oder in der Mitte am breitesten [Abb.4]. Unterseite weniger dicht und feiner gekörnelt, sehr fein dunkel behaart, stärker glänzend. Die Oberseite ebenso veränderlich tomentiert, mit oder ohne Querbinden, selten fast kahl (bei abgeriebenem Toment). Parameren in der Spitze außen eingebuchtet und ausgerandet.

   ...3

BYRRHUS PILULA
Abb.4
 
#3 Halsschild dicht und fein punktiert, Abstand der Punkte so groß wie oder meist größer als ihr Durchmesser, dazwischen deutlich chagriniert. Länglich oval, Flügeldecken in der Mitte am breitesten [Abb.4]. Parameren langgestreckt, mindestens doppelt so lang wie die Phallobasis, an der Spitze schräg ausgerandet [Abb.5], Penis an der Spitze länglich lanzettförmig, gerade abgeplattet [Abb.6]. 6,7-9,3 mm. In Mitteleuropa überall, meist häufig.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...pilula (L., 1758)

BYRRHUS PILULA.JPG
Abb.5
BYRRHUS PILULA
Abb.6
-- Halsschild ziemlich dicht und stark punktiert, Abstand der Punkte kleiner als ihr Durchmesser, dazwischen glatt oder zumindest nicht deutlich chagriniert. Flügeldecken oft mit bräunlicher Querzeichnung. Penisspitze breit löffelförmig verrundet.

   ...4

 
#4 Länglich oval, hinten breit verrundet [Abb.7], auch sonst sehr ähnlich pilula oder fasciatus. Parameren an der Spitze mit einem kleinen nach außen gebogenen Häkchen, Penis an der löffelartig erweiterten Spitze nach auswärts gebogen [Abb.8] [Abb.9]. 6,5-8,0 mm. In Mitteleuropa wohl überall, aber stets nur sehr sporadisch und meist selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...arietinus Steff., 1842

BYRRHUS ARIETINUS
Abb.7
BYRRHUS ARIETINUS.GIF
Abb.8
BYRRHUS ARIETINUS
Abb.9
 
-- Körper kurz oval, mehr kugelig, nach hinten mehr zugespitzt, kleinste Art der Gattung. Paramerenspitzen außen eingebuchtet, Penis breit, kurz verrundet, abwärts gebogen [Abb.10]. 5,8-7,4 mm. In Mitteleuropa überall, meist nicht selten.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...pustulatus (Forst., 1771)

BYRRHUS PUSTULATUS.GIF
Abb.10
 
#5 Flügeldecken mit unregelmäßigen welligen oder vielfach unterbrochenen, oft bis auf Reste erloschenen Streifen, höchstens mit fast regelmäßigen Längseinbuchtungen, nie jedoch feine, tief eingegrabene regelmäßige Linien, sonst fast glatt. 3. Tarsenglied nur selten mit Hautläppchen (Untergattung Pseudobyrrhus Gattung Fiori).

   ...6

 
-- Flügeldecken nur mit 1 Naht- und einigen regelmäßigen Seitenstreifen, sonst mit sehr unregelmäßigen, verworren gewundenen Linien und Furchen, Grübchen oder Punkten, sehr uneben. 3. Tarsenglied stets mit Hautläppchen (Untergattung Seminolus Muls. et Rey).

   ...9

 
#6 Oberseite mit ziemlich langen, schräg abstehenden Haaren besetzt. Vorderbrust zwischen den Vorderhüften etwas schmäler als lang. 7,5-8,5 mm. West- und Südwestalpen, vom Mte. Viso bis zum Mte. Rosa-Gebiet, närdlich vermutlich bis zum Simplon, nicht häufig.

   ...pilosellus (Villa)

 
-- Oberseite nur mit sehr kurzen, filzartigen Härchen besetzt. Bei den folgenden Arten ist zur sicheren Bestimmung eine Genitaluntersuchung notwendig.

   ...7

 
#7 Meist auffallend kurz rundlich [Abb.11], Flügeldecken mit sehr feinen Streifen, Zwischenräume flach. Flügeldecken oft mit goldgelber Querzeichnung, Oberseite aber oft abgerieben und daher fast kahl. Vorderbrust zwischen den Vorderhüften etwa so breit oder fast breiter als in der Mitte lang. 3. Tarsenglied ohne Hautläppchen. Parameren im basalen Drittel etwa 2 bis 2,5 × so breit wie an der Spitze dick, am Außenrand weit ausgeschweift zugespitzt, Penis etwa so lang wie die Parameren [Abb.12]. 8-10 mm. Art der Mittelgebirge (mit Ausnahme der linksrheinischen) und der Alpen, im allgemeinen nicht häufig. (lineatus Strm., 1823). (luniger Germ. )

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...luniger Germ., 1817

BYRRHUS LUNIGER
Abb.11
BYRRHUS LINEATUS.GIF
Abb.12
-- Länglich oval, Flügeldecken mit deutlicheren Streifen, dadurch erscheinen die Zwischenräume stärker gewölbt.

   ...8

 
#8 Größere Art, 8-12 mm. Flügeldecken mit stärkeren Streifen und deutlicher gewölbten Zwischenräumen, Vorderbrust zwischen den Vorderhüften breit, etwa so breit oder fast breiter als in der Mitte lang. Flügeldecken mit durchaus regelmäßig erscheinenden, oder mit etwas geschlängelten oder vielfach unterbrochenen oder teilweise in Punktreihen aufgelösten inneren Streifen. Tomentierung sehr variabel, nur bei ganz frischen Tieren vollständig erhalten, meist jedoch fast kahl. Parameren an der Basis ziemlich breit, mindestens 4 x so breit wie an der Spitze dick, an der Außenseite hinter der Mitte deutlich ausgeschweift, Penis länger als die Parameren [Abb.13]. 3. Tarsenglied mit oder ohne Hautläppchen. Art der Mittelgebirge und Alpen, häufiger jedoch nur in den südwestlichen Teilen.

   ...glabratus Heer, 1842

BYRRHUS GLABRATUS.GIF
Abb.13
 
-- Kleinere Art, 7,5-10 mm. Flügeldecken mit feineren Streifen und undeutlicher gewölbten Zwischenräumen. Vorderbrust zwischen den Vorderhüften schmäler, in der Mitte deutlich länger als zwischen den Vorderhüften breit (messen !). Die Art variiert regional verschieden stark, so daß ihre Trennung von den beiden vorherigen Arten nicht immer leicht ist. Abweichend ist jedoch der Genitalapparat: Parameren viel schmäler, allmählich, ja fast geradlinig zugespitzt und nicht ausgeschweift [Abb.14]. Ost- und Südostalpen, vorwiegend in der alpinen Region.

   ...8a

BYRRHUS PICIPES.GIF
Abb.14
 
#8a Flügeldecken mit sehr unregelmäßigen flachen, welligen oder vielfach unterbrochenen oder bis auf Reste erloschenen Streifen (Nominatform). Salzburger Alpen, vielleicht auch im Watzmann-Gebiet (Horion), in den Niederösterreichisch-Steirischen Kalkalpen (nördlich etwa bis zum Schneeberggebiet) und in den Niederen Tauern.

   ...picipes Duft.

 
-- Von der typischen Form vor allem durch regelmäßige und oft auch tiefere Streifen auf den Flügeldecken unterschieden. In den Südsteirischen Alpen, Karawanken, Bacher Gebirge, Steiner Alpen, Julische-, Venetianer- und Lessinischen Alpen. ssp.

   ...amphibolus Ganglb.

 
-- Eine große (9-11 mm), auf der Oberseite dunkel bronzefarbene Form, die inneren Streifen der Flügeldecken sehr fein oder fast erloschen. Ortler- und Adamello-Gebiet. ssp.

   ...judicarius Gangelbauer, 1904

 
-- Eine weitere Form in den Bergamasker Alpen. ssp.

   ...orobianus Gattung Fiori.

 
#9 Flügeldecken meist dunkelbraun, Oberseite mit sehr dichtem, scheckigem, dunklem und gelbbraunem Toment, dazwischen überall mit etwas geneigten, kurzen, im Profil aber gut sichtbaren, längeren Härchen, welche das Toment rauh erscheinen lassen. Aedoeagus ähnlich dem von lineatus oder glabratus [Abb.15]. 8,5-10 mm. Südbayern: Watzmann und Wettersteingebirge; sonst in den Ostalpen subalpin und alpin weit verbreitet.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...signatus Panz., 1774

BYRRHUS SIGNATUS.GIF
Abb.15
 
-- Flügeldecken und oft auch die Unterseite rost- oder kastanienbraun, Oberseite nur mit feinem, schütteren Toment, oft fast kahl erscheinend, dazwischen höchstens an den Rand mit helleren, längeren Härchen.

   ...10

 
#10 Länglich-oval, Flügeldeckennaht von der Mitte zur Spitze glatter und etwas wulstförmig abgesetzt. Halsschild am Grunde dicht und fein, aber überall deutlich punktiert. Penis an der Spitze schwach verbreitert, nur wenig breiter als die Parameren an der Spitze dick, die ganze Aedoeagusspitze hakenförmig abwärts gebogen [Abb.16]. 10-12 mm. In den Südostalpen (südliche Steiermark, Kärnten) in der subalpinen und alpinen Region, oft nicht selten. (alpinus Gory )

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...scabripennis Steffahny, 1843

BYRRHUS SCABRIPENNIS.GIF
Abb.16
 
-- Rundlich-oval, schwarzbraun, Flügeldecken braunrot, hintere Flügeldeckennaht nicht deutlich gewulstet, fein gelbbraun tomentiert, auf der Scheibe der Flügeldecken mit kleinen dunkleren Schrägflecken, Oberseite jedoch oft fast kahl erscheinend. Halsschild in der Mitte extrem fein, fast erloschen punktiert, dazwischen einzelne größere Punkte. Penis an der Spitze stark löffelartig verbreitert, leicht aufwärts gebogen, Spitze viel breiter als die stark verjüngten Parameren an der Spitze dick [Abb.17]. 11,5-14 mm. Wie signatus verbreitet, in den mittleren und höheren Lagen der Ostalpen (Niederösterreich: Hohe Tauern, Südkärnten) stellenweise häufig.

Meldungen in Google Earth anzeigen   ...gigas F.

BYRRHUS GIGAS.GIF
Abb.17
 
  amphibolus
arietinus
fasciatus
gigas
glabratus
judicarius
luniger
orobianus
picipes
pilosellus
pilula
pustulatus
scabripennis
signatus
     Creative Commons Lizenzvertrag
Erstellt am: 31.03.2013
Letzte Aktualisierung: 19.09.2018 - 23:51:12